iPhone mit social media appsMit Abstand ist Whatsapp (WA) der meist verbreitete Messenger. Warum? Dafür gibt sicherlich viele Gründe. Was die Verbreitung angeht, ist WA natürlich ein Selbstläufer. Alternativen wie etwa Threema können da in puncto Sicherheit die Nase vorn haben, zumal die Threema-Server in der Schweiz stehen, während die WA-Server erwartungsgemäß in den USA residieren. Ob die Schweiz vertrauenswürdiger als die USA ist, will ich nicht diskutieren und kann ich auch nicht bewerten. Auf jeden Fall aber stellt sich die Frage, was einem ein sicherer Server nützt, wenn alle, die man über den Messenger kontaktieren will, einen anderen Dienst nutzen. Also Whatsapp.

Vorteil ist klar: „Alle“ haben WA. Naja, zumindest viele. Schauen wir nun einmal auf den Nachteil von WA: Der Service ist mit der eigenen Handynummer verknüpft. Es läuft also immer übers Handy/Smartphone. Sicher kann man über spiegelnde Apps auf dem Tablet der als „Mäuseklavier“ verrufenen Handytastatur entfliehen und mit seinen Wurstfingern etwas komfortabler das Tablet betatschen oder betouchen. Wer will, kann auch auf dem Computer eine Whats-App installieren, die dann, wie beim Tablet auch, mittels QR-Code mit dem WA-Dienst des Smartphones verlinkt wird, und recht gut funktioniert, …. sofern das Handy/Smartphone online ist. Ist es offline, dann gibt es auch auf dem aktiven Tablet oder PC keine WA-Nachrichten.

Alternative zu WA?

Was hindert mich eigentlich eine Alternative zu suchen? So als „zweites Standbein“? Ich muss ja nicht WA vom Smartphone löschen, um etwas anderes zu installieren. Etwa wie beim Anbieterwechsel von „vodakom zu „telefon“ oder „e-minus“. Durchaus ist das durchschnittliche Smartphone in der Lage, mehrere Dienste zu beherbergen.

Welche Alternativen gibt es?

Einen Marktüberblick findet ihr woanders. Das ist heute nicht meine Absicht. Aber lasst uns einige betrachten.

Threema habe ich schon genannt. Der läuft anwenderseitig ähnlich wie WA, also mit weiterer App. Und es wird komplizierter: mit weiteren zu erstellenden IDs und einer recht merkwürdigen Art, die Geräte im Chat anzusprechen. Das schreckt ab, weil – für mein Empfinden – viel zu kompliziert.

Facebook zwingt seine mobilen Nutzer, für den hauseigenen Chat den eigenen Messenger zu installieren. Der ist recht speicherhungrig. Und wer, wie ich, gar nicht weiß, wie lange er überhaupt noch FB nutzen will, weil Mark Zuckerberg gerne und willkürlich die Nutzungsbedingungen zu seinem Vorteil ändert, ist nicht unbedingt geneigt, sich noch enger an das blaue Soziale Medium zu ketten.

Telegram

Ich will es kurz machen und einen Aufsteiger nennen, der in seiner Popularität stark expandiert und technische Vorteile gegenüber Whatsapp hat. Telegram. Telegram arbeitet plattformübergreifend synchron. Das klingt komplex, ist es aber nicht. Auf allen Geräten (PC oder Mac, Tablet und Smartphone) installiert man die entsprechende App. Für jedes Gerät ist sie kostenlos erhältlich (Stand Januar 2017). Verknüpft wird sie mit der eigenen Handynummer. Man bekommt per SMS einen Code, der in die installierte App eingegeben wird. Dann läuft es. Gestattet man der App den Zugriff auf die Kontakte, sieht man auch (ich war überrascht), wer schon alles Telegram installiert hat.

Das schönste an Telegram ist die Synchronisation der Nachrichten. Bekomme ich auf dem Smartphone eine Nachricht, kann ich die auch zuhause auf dem Tablet lesen und beantworten. Wenn ich viel schreiben will, werfe ich den Mac oder PC an und tippe dort einen längeren Text. Eine Antwort darauf erhalte ich vielleicht Minuten später, wenn ich wieder unterwegs bin. Und so weiter. Alle Geräte zeigen in Echtzeit den Stand der Diskussion.

Für hochsensible Angelegenheiten gibt es einen geheimen Chatmodus, dessen Inhalte sich, je nach zeitlicher Voreinstellung, selbst zerstören oder löschen. Solche Diskussionen lassen sich also später nicht nachlesen, was ja auch gewollt ist.

Wer etwas chat-erfahren ist, erinnert sich an Googles Hangouts. Das war bis jetzt mein Favorit, weil er genau so geräteübergreifend arbeitet. Aber weil Google, wie schon in der Vergangenheit öfter geschehen, sich schnell mal zur Einstellung eines beliebten und bewährten Service entschlossen hat, stirbt Hangouts am 25.4.2017 wohl endgültig. Diese angekündigte Tatsache hat mich bewogen, mich nach den hübschen Töchtern anderer Väter umzusehen.

Übrigens kann man sich in Telegram einen eindeutigen Benutzernamen festlegen. Dann ist man auch für Teilnehmer auffindbar, die eure Handynummer nicht wissen. Etwa wie bei Twitter.

Mein Telegram-Benutzername ist @juergenflens. Wer auf den Link t.me/juergenflens klickt, wird sofort mit mir über telegram verbunden, sofern die App an Bord ist. Probier doch mal!

Fazit

Selbstverständlich gibt es immer Menschen, mit denen man ständig in Kontakt ist. Und wenn die Whatsapp-addicted sind, sich also von WA absolut nicht abbringen lassen, können die mich darüber auch kontaktieren. So, wie ich mich aber an sie anpasse, würde es mich freuen, wenn man auf meine Wünsche eingeht, wobei ja noch einige Vorteile dazu kommen. Und wenn jeder das machen würde, wäre – zumindest im eigenen überschaubaren Freundeskreis – WhatsApp irgendwann entbehrlich, weil alle inzwischen von den Benefits von Telegram überzeugt sind.

Bonus zum Schluss:
Für Telegram ist nur ein einfaches Handy nötig. Ein Smartphone braucht man nicht dazu. Ein einfaches Handy („Dummphone“) dient nur zum Empfang der Bestätigungs-SMS, die bei der Installation von Telegram auf dem Tablet einzugeben ist. Also auch für ältere Menschen, die ein Tablet haben, aber sonst nur ein Seniorenhandy.

Update:

Wie von vielen bemerkt, läuft Hangouts immer noch. Dennoch stehen die Zeichen schlecht. Definitiv wird eine Weiterentwicklung nicht stattfinden, und demnach wird es zu einem weiteren Rückgang der Benutzerzahlen kommen. So plädiere ich selbst auch wie oben für Telegram, das sich bei mir nahtlos in meinen Kommunikationsfluss eingereiht und somit bewährt hat.

Jürgen

Autor Jürgen Bödecker

Jürgen Bödecker lebt in Flensburg, absolvierte eine technische Ausbildung, wechselte später in den Handel und machte sich 1995 im Versicherungsvertrieb selbstständig. 2005 erkrankte er an Depressionen und schlug mit dem Beruf des Webdesigners einen neuen beruflichen Weg ein. 2008 gründete er den ORKANO media-service. Außerdem betätigt er sich als Fotograf und Musiker.